Die Biomechanik des Fauststoss

Jeet Kune Do, Kampfkunst No Comments »

Gedrehter oder vertikaler Fauststoß?

Menschen bekämpfen sich gegenseitig seit Anbeginn der Zeit. Irgendwann haben sie entdeckt, dass das Formen der Hand zu einer Faust und das Treffen mit den Knöcheln zu einem viel effizienteren Schlag führt. Im Laufe der Zeit haben sich dann die zwei unterschiedlichen Arten des Treffens mit der Faust entwickelt. Natürlich gibt es mehrere Arten des Fauststoßes, aber hier werden nur die beiden Wichtigsten behandelt.

Der gedrehte Schlag (die Faust ist beim Treffen in horizontaler Position) war beim Boxen und in den traditionellen Kampfkünsten über Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte, die „beliebteste“ Technik, und ist es heute noch.

Der vertikale Schlag nimmt allerdings überhand in den so genannten „neuen Kampfkünsten“, wie z. B. im Isshin Ryu Karate (gegründet ca. 1956) und Wing Chun (gegründet ca. 1776). Dieser Artikel untersucht die Biomechanik der beiden Schläge und bestimmt welcher effektiver und weniger anfällig für Selbstverletzung ist.

Bevor jedoch eine vernünftige Diskussion über dieses Thema begonnen werden kann, ist es erforderlich zu wissen, worauf bei der Ausführung der beiden Schläge zu achten ist und wie sie ausgeführt werden: Getroffen wird bei beiden Schlägen mit nur zwei Knöcheln (die des Zeige- und Mittelfingers) der Faust, das Gewicht wird auf das gegenüberliegende Bein der schlagenden Hand verlagert. Die Hüfte, der Torso und die Schultern werden tangential in Richtung des Schlages gedreht. Der wichtigste Unterschied zwischen den beiden Techniken äußert sich in Schulter- und Handgelenk (und der unterschiedlichen Beugung des Ellbogengelenks). Hier ein bisschen mehr dazu.

Beim traditionellen, gedrehten Schlag wird die Hand beim Ausstrecken so gedreht, dass in der Endposition die Handfläche parallel zum Boden liegt. Von der Biomechanik her gesehen ist der Unterarm durch die Handhaltung verdreht und die Schulter muss nach innen und unten gedreht werden, um verspannen zu können.

Der vertikale Schlag hingegen funktioniert anders. Die Bewegung des Armes wird ohne jegliche Drehung ausgeführt, und auch die Schulter bleibt in der ursprünglichen Position. Sie wird nur nach unten verspannt, anstatt gedreht. Es ist wichtig festzustellen, dass die Position von Hand, Handgelenk, Ellbogen und Schulter abhängig sind von der Art des Schlages (z. B. Schwinger und Aufwärtsblock). Diese Diskussion bezieht sich auf den geraden Fauststoß.

Einige Kampfkunstexperten sind der Meinung, dass der vertikale Schlag der bessere der beiden Fauststöße ist. Einer von diesen ist Arsenio James Advincula. Er lernte das Isshin Ryu Karate vom Begründer dieses Stiles, von Tatsuo Shimabuku. Der vertikale Schlag ist die primäre Angriffstechnik im Isshin Ryu. Laut Advincula bevorzugte Shimabuku diese Technik, da er der Meinung war, dass er schneller und stärker ist als der gedrehte Schlag. Advincula wollte seinen Standpunk beweisen, indem er sich einmal bei verspanntem Arm in der Endposition des gedrehten und einmal in der Endposition des vertikalen Schlages gegen den Arm drücken ließ. Es wurde schnell klar, dass das Verspannen bei der vertikalen Technik besser möglich war, da man mehr Kraft als beim gedrehten Schlag aufbringen musste, um Advinculas Arm zu bewegen. Umgesetzt auf Newtons drittes Gesetz der Bewegung bedeutet dies, dass er der Kraft, die auf den Arm drückt, mit der selben Kraft entgegen wirken muss, um den Arm stabil zu halten, und diese ist, wie oben beschrieben, beim vertikalen Schlag größer.

Unerwartete Zustimmung zum Prinzip des vertikalen Schlages erfolgte vom früheren Schwergewicht Boxchampion Jack Demsey. Unerwartet deshalb, weil gerade Boxer den gedrehten Schlag sehr bevorzugen. Demsey ist der Meinung, dass man leicht selbst überprüfen kann, welche die bessere Technik ist: Man stellt sich ein bisschen weiter als die Armlänge ausmacht vor eine Wand. Nun streckt man beide Arme in die Endposition des vertikalen Schlages aus und lehnt sich nach vorne gegen die Wand, so, dass man diese nur mit jeweils zwei Knöcheln jeder Hand berührt. So an die Wand gelehnt dreht man nun die Arme in die Endposition des gedrehten Schlages. Man wird feststellen, dass ein großer Teil der Stabilität verloren geht (Demsey, 1978).

Beide (oben beschriebene) „Experimente“ beweisen, dass der vertikale Schlag viel stabiler ist als der gedrehte. Mehr Stabilität verhindert, dass Kraft in eine andere als die primäre Schlagrichtung verloren geht, und weil die ganze Kraft in die selbe Richtung geht, ist er die stärkere der beiden Techniken. Außerdem würde die „verlorene“ Kraft nicht richtig durch die Knochen übertragen werden können, was bedeutet, dass sie von weichem, nicht dafür vorgesehenem Gewebe absorbiert werden muss, und das führt zu Verletzungen.

Auch der frühere Champion im Wettkampfkarate Dan Anderson ist von der Überlegenheit des vertikalen Schlages überzeugt. Sein Argument lautet, dass der Arm in der Endposition genauso gedreht ist, als würde er neben dem Körper herunterhängen; die Knochen und Muskeln sind also in ihrer natürlichen Position (Anderson, 1982). Gesetzt dem Falle Mr. Anderson läge richtig mit diesem Argument, so müsste es sich mit einem Blick in wissenschaftliche Fachliteratur bestätigen lassen.

Eine wissenschaftliche Bestätigung ist überhaupt sehr wichtig. Man kann eine der beiden Techniken nicht aufgrund von Eigenexperimenten bevorzugen. Erschwerend ist allerdings, dass es keine genormten Prüfbedingungen zu diesem Thema gibt. Nichts desto trotz gibt es einige solcher Studien über Fausttechniken bereits, jedoch bis jetzt noch keine, bei welcher der gedrehte und der vertikale Schlag direkt miteinander verglichen werden.

Dieser Artikel erschien im Journal of Asian Martial Arts Vol. 9 Number 1, 2000.

Quelle: WingChunKungFu.de

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Die 5 Angriffe

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Beim Betrachten von diversen Super8-Filmen über Kämpfe aus dem Boxen, Karate, Taekwondo, Wrestling und Dokus zu Streetfights erkannte Bruce Lee, dass sich alle Angriffe in 5 Kategorien einteilen ließen. Durch diese Einteilung lies sich später im Training der Angriff sowie die Verteidigung organisierter trainieren.

Diese 5 Kategorien sind:

1. SDA (Single Direct Attack)

Ein direkter Angriff besteht aus einer Bewegung, einer direkten Technik. Das Ziel ist es, die Trefferfläche auf dem direktestem Wege zu erreichen. Ein Beispiel wäre der gerade Fauststoß, auch einfach nur Gerade genannt. Obwohl es der simpelste der Angriffe ist, ist er am schwierigsten erfolgreich abzuschließen, da man hier verschiedenen Eigenschaften wie Timing, Geschwindigkeit, tiefes Eindringen in die Verteidigung des Gegners, Kraft usw. braucht. Der einfach direkte Angriff findet entweder auf der gegnerischen Angriffslinie oder der direkt entgegengesetzten Linie statt – er trifft den Gegner einfach in seiner Vorbereitung oder in einem Moment der Unachtsamkeit.

Wen man einen SDA ausführt, schlägt man tief in die Verteidigung des Gegners bevor dieser kontern kann, ohne den Angriff oder den Weg des Angriffs zu verstecken oder zu verschleiern. Der Angriff findet mit der längsten Waffe zum nächsten Ziel statt. (your longest weapon to the closest target).

Eine weitere Art des SDA ist der Single Angular Attack (SAA), ein Angriff aus einem bestimmten Winkel. Hierbei wird der eigene Körper so in eine Position zum Gegner gebracht, dass beim Gegner eine Lücke in der Deckung entsteht. Der Angriff trifft den Gegner daher aus einem Winkel und nicht frontal.

2. ABC (Attack By Combination)

ABC ist eine Serie von Angriffen, die schnell aufeinander, natürlich und “lebendig”, folgen.
Dabei werden mehr als eine Stelle am Gegner angegriffen. ABC besteht meistens aus Set-ups, die eine Verteidigungslinie angreifen, um die andere zu öffnen, die dann aber er eigentliche Angriffspunkt ist. Hierbei muss die Kombination aggressiv genug sein um den Gegner in die Defensive zu zwingen. Wichtig hierzu ist das Verständnis von Rhythmus, Geschwindigkeit und Kadenz.

3. HIA (Hand Immobilization Attack)

HIA sind alle Immobilisierungsangriffe. Hierbei wird versucht, die Extremitäten des Gegners festzulegen (Trapping) während man die Angriffslinie besetzt. HIA können einzeln oder in Kombinationen auftreten.
Dabei geschieht das Festlegen entweder zufällig oder intuitiv. Das Festlegen ist ebenfalls zeitlich limitiert und dient nur dem Zweck den Gegner zu treffen.

4. PIA (Progressive Indirect Attack)

PIA ist das benutzen einer Finte ohne eines Schlages, die eigentlich nicht treffen sondern die Deckung öffnen soll. Der eigentlich Schlag folgt daraufhin sofort und ohne Zurückziehen der ersten Finte. PIA wird meistens bei Gegnern angewendet, die eine sehr gute Deckungsarbeit haben und schnell reagieren. Wichtig ist dabei, dass bei PIA die Bewegungen offensiv nach vorne ausgeführt werden – ohne Unterbrechungen oder Zurückziehen. PIA besteht aus einer Bewegungssequenz.

5. ABD (Attack By Drawing)

ABD ist das Locken des gegnerischen Angriffs um diesen dann zu kontern. Hierbei muss nicht nur der spezielle Angriff auf einer speziellen “offenen” Linie provoziert werden, sondern ein erfolgreicher Konter muss schon geplant sein. Die wahre Absicht, das Kontern, muss hierbei gut versteckt sein. ABD ist die am schwersten umzusetzende Art des Angriffs, da hierbei die Reaktion des Gegners antizipiert werden muss.

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