| |
Jan 03
Das oberste Ziel einer jeder Selbstverteidigung ist es, sicher und möglichst unverletzt aus einer Auseinandersetzung rauszukommen. Die Hauptstrategie, mit der JKD dies verfolgt, ist das Abfangen des Gegners und des gegnerischen Angriffs zum frühestmöglichen Zeitpunkt. Um dies umzusetzen, bedient sich JKD diverse Taktiken:
- Benutze deinen Kopf und kämpfe damit. Versuch, schlauer und gewitzter als dein Gegner zu kämpfen. Sei ihm vorraus.
- Versuche deinen Körper und deine technischen Fähigkeiten auf dem best-möglichen Stand zu halten und so alle Bewegungen und das Kampfgeschehen zu kontrollieren.
- Bleib locker und relaxt.
- Wirke immer selbstbewusst nach außen. Wenn du müde oder verletzt bist, zeig es nicht deinem Gegner.
- Bleib in Bewegung. Sei dabei immer gut in Balance und ökonomisch.
- Bleib in deiner Struktur, immer gut gedeckt und in kompletter Ausgeglichenheit. Jeder Angriff setzt eine 100% Deckung vorraus.
- Wenn der Gegner in Reichweite kommt, schlag zu.
- Verwirre den Gegner, variiere immer deinen Angriff und deine Verteidigung, sei nicht vorrausberechenbar, versuche nie, das gleiche zweimal hintereinander.
- Mach genau das, was dein Gegner nicht von dir erwartet und nicht von dir möchte.
- Wenn dein Gegner eine vorbereitene Bewegung macht, beweg dich und schlag zu.
- Wann immer du zuschlägst, tue es mit totalem Einsatz. In der SV gibt es kein Ausprobieren, keine Halbherzigkeit. Wenn der Zeitpunkt kommt, sei hart und unnachgiebig in deinem Angriff.
- Sei konzentriert und behalte alles um dich herum in Beobachtung. Sei vorsichtig und lass dich nicht überraschen.
- Unterschätze niemals einen Gegner, zu keiner Zeit.
Schlagwörter: JKD, Kampftaktik, Selbstverteidigung
Jan 02
Die Struktur oder das Fundament des JKDs manifestiert sich in der so genannten “Kampfhaltung” oder Bai Jong.
Jede Technik und jede Bewegung im JKD kommt aus dem Bai Jong. Eine Technik, die nicht aus dem Bai Jong kommt, passt nicht ins JKD. Der Bai Jong ist das Kettenglied, dass alle Bewegungen zusammen hält. Dabei sichert der Bai Jong im Angriff eine wasserdichte Verteidigung genauso wie er in der Verteidigung jederzeit die Möglichkeit zum Angriff offenlässt.
Der Bai Jong oder On-Guard-Stance ist dabei mobil, nicht starr. Im JKD wird die stärkere, mehr trainierte und besser koordinierte Seite des Kämpfers nach vorne genommen. ca. 80% aller Techniken mit der Hand oder dem Fuß werden im JKD mit den vorderen Waffen ausgeführt. Die Stellung muss dabei Stabilität, Mobilität, eine aggressive Verteidigung, den Konterangriff und das Abfangen ermöglichen. Dazu setzt der Stand eine leichte gebeugte Haltung vorraus, ein Federn in den Knien, das zusammen mit einer einigermaßen gleichmäßigen Verteilung des Körpergewichtes auf beiden Füßen sowie der Federkraft des hinteren Beines durch den erhobenen Hacken und die Ausrichtung nach vorne. Der hintere Arm ist dabei vor den Rippen, relaxt aber fertig für die defensiven Aufgaben, die Hand vor dem Gesicht. Der vordere Arm ist relaxt vor dem Körper, den Ellenbogen ca. eine Faustbreit entfernt von den Rippen, die Hand in leichter Bewegung und ungefähr auf Kinnhöhe. Durch die “relaxte Anspannung” werden Schläge und Tritte ohne vorhergehende telegrafierende Bewegungen möglich.
Wichtig ist hierbei, dass diese Stellung keine feste starre Haltung ist, sondern sich der Kämpfer selbst die ganze Zeit in unmerklichen leichten Bewegungen, die weder Ermüden noch bestimmte Angriffe voraus erahnen lassen, befindet.
Aus dieser Position heraus kommen im JKD alle Bewegungen und Aktionen.
Schlagwörter: Bruce Lee, Jeet Kune Do, JKD, Kampfhaltung
Dez 31
Eine besondere Schwierigkeit in der Theorie des JKD ist die Vorstellung des “Mischen verschiedener Kampfkünste“, die ja im JKD vorhanden sein soll. So gehen scheinbar einige Kampfkünstler hin und “nehmen” ein paar Techniken aus dem Muay Thai, ein paar Techniken aus dem Wing Chun und ein paar Techniken aus dem Jiu-Jutsu, vermengen das ganze irgendwie und glauben und/oder propagieren, sie würden nun JKD machen.
Dem ist aber nicht so! JKD ist keine Ansammlung von den “besten” Techniken aus Gung Fu, TKD, Muay Thai etc.pp. Ein Mixen dieser Stile würde aufgrund einer mangelnden Basis und Struktur auch gar keinen Sinn machen. Bruce Lee selber erklärte JKD durch die Herkunft aus dem Fechten, dem Boxen und Wing Chun. Heißt das, er nahm die Techniken dieser Systeme und mischte sie? Nein. Mit dem Mischen ist im JKD etwas ganz anderes gemeint. Bruce Lee und seine JKD Schüler setzten Techniken, Konzepte, Prinzipien und Strategien auf eine Struktur, die in allen Kampfdistanzen funktionierte. Sie “mischten” Tritte, Schläge, Trapping, Infight und Grappling in der langen, der mittlere, der nahen und der Grappling-Distanz.
Nach Bruce Lees Tod gaben Kampfkünstler wie Dan Inosanto und Larry Hartsell Seminare, bei denen diese Mischung, bzw. der Übergang und die Transition von Treten zu Grappling, von Schlagen zu Grappling und von Trapping/Clinching zu Grappling Themen waren.
Sie waren Pioniere des Mischens und des Übergangs der verschiedenen Kampfdistanzen. Dabei half ihnen die Struktur des JKDs, die in allen Distanzen gleich die Plattform für die Techniken ist.
Das Mischen im JKD bezieht sich meiner Meinung nach nicht auf das Mixen von unzusammenhängenden Techniken, sondern auf das Übergehen von der einen Kampfdistanz in die nächste, das Erkennen der Zusammenhänge, das Trainieren einer gültigen Struktur in allen Distanzen und dem Mischen eben dieser Distanzen.
Schlagwörter: Bruce Lee, Dan Inosanto, Grappling, JKD, Kampfdistanz, Kampfkünstler, Larry Hartsell, Trapping
Dez 23
Ein aus dem Wing Chun kommendes und im JKD verbliebendes Konzept, nachdem die Verteidigung und der eigene Angriff gleichzeit zu erfolgen haben.
Die eigene Abwehrhandlung wird mit der eigenen Angriffshandlung kombiniert, wird praktisch zu einer Bewegung, und ist nie ein „erst Blocken, dann Angreifen“.
In der Theorie ein einfach zu verstehendes Prinzip, das jedoch bei der Umsetzung ein enormes Maß an Timing, Rhythmus, Distanzgefühl, „line awareness“ und anderen Eigenschaften verlangt. Grundsätzlich wird hierbei im Gegensatz zum kompletten physischen und psychischen Abfangen des Gegners durch einen Stopptritt oder einen Stoppschlag der tatsächliche Angriff des Gegners pariert, geblockt oder ihm ausgewichen und gleichzeitig der eigene Konterangriff gestartet oder vollendet. Wichtig hierbei ist, das der Konter auf dem kürzesten Weg ohne zusätzliche Schnörkel direkt ins Ziel geführt wird, um so einem weiteren Angriff des Gegners zuvor zu kommen.
Dabei wird in einigen Fällen ein „sliding“ oder ein „cutting into the tool“ benutzt, das heißt: der eigene Angriff wird so eingesetzt, das er in den Angriff des Gegners reinschneidet und die Waffe des Gegners ablenkt, um dann den Gegner zu treffen.
Desweiteren gibt es die Möglichkeit, mit ein und derselben Extremität den gegnerischen Angriff zu parieren und zurückzuschlagen (Riposte).
Die wahrscheinlich bekannteste Möglichkeit ist das Abfangen des Angriffs mit der einen und das Durchführen des eigenen Angriffs mit einer anderen Extremität.
Wie auch die anderen Konzepte und Prinzipien im JKD so baut auch diese Theorie der Gleichzeitigkeit zwingend auf die Struktur, die Basis des JKDs auf und setzt die Grundlagen wie zum Beispiel die Theorie der Ausrichtung zum Gegner; die stärkere Seite nach vorne, die Ökonomie der Bewegung, die Theorie der längsten Waffe zum nächsten Ziel, gebrochender Rhythmus und Timing, die Theorie des verteidigenden Ellenbogens (eigentlich „the immovable elbow theory“, aber der Begriff unbeweglicher Ellenbogen führt zu vielen Missverständnissen), sowie die Theorie der Kampfhaltung im JKD voraus.
Schlagwörter: Bruce Lee, Distanzgefühl, Jeet Kune Do, JKD, Rhythmus, Timing, Verteidigung, Wing Chun
Dez 22
Anpassungsfähigkeit:
JKD sollte den Trainierenden für die verschiedenen Möglichkeiten und Geschehnisse eines Kampfes vorbereiten. Dabei geht es im JKD nicht um die unzähligen und unendlichen Möglichkeiten der diversen Techniken, sondern um die Chance, sich einem bestimmten Szenario anzupassen und die richtige Problemlösung parat zu haben. Strategie und Taktik sind hier wichtiger als Millionen von Techniken und Konter-Techniken. Zu wissen, wie man den gegnerischen Angriff stoppt oder die gegnerische Aktion stört und umgeht ist wichtig. JKD entwickelt deswegen anpassungsfähige Strategien, um wirksam zu sein. Dieses Training wird langfristiger und intensiver gestaltet, als ein “Gegner mach X, du antwortest mit Y, er macht daraufhin Z und dir bleibt dann …” Reine Spontanität in direkter Anwendung ist das Ziel. Die eigenen Stärken und Schwächen kennen und danach zu agieren. Im JKD wird nicht einstudiert, es wird entwickelt, JKD wird auf die Anforderungen zurechtgeschnitten und ist daher anpassungsfähig. Dies macht ein intensives Beschäftigen mit den verschiedenen Distanzen notwendig.
Distanzgefühl:
Generell versteht man beim Training darunter den Abstand zwischen zwei Kämpfern. Im JKD befasst sich der Trainierende weitaus intensiver mit den Auslegungen dieses Wortes. Da sind erstmal die eigene Distanz, sprich Reichweite. Diverse Trainingsdrills und Übungen zielen im JKD auf das instinktive Erkennen der eigenen Reichweite und der intuitive-richtigen Auswahl der passenden Technik ab. Die Einteilung in Tritt-, Schlag-, Festlege- und Grappling-Distanz kann dabei verwirren. Gemeint ist damit nicht, dass zum Beispiel in der Schlagdistanz nur geschlagen werden kann/darf. Auch hier sind Tritte einsetzbar. Die Namensgebung ist relativ zur Reichweitenerkennung gedacht, und sollte trotzdem fließende Übergänge und Einsatzmöglichkeiten offen halten. Wichtig ist auch zu erkennen, in welcher Distanz ein Kampf anfängt und wie in dieser Distanz die Abfangmöglichkeiten sind. So hat z.B. der JKD-Stoppkick eine bestimmte Distanz, in der er funktioniert. Beginnt der Kampf in einer anderen Distanz, ist eine andere Technik erfolgreicher. Auch hier wird viel Wert auf die Anpassungsfähigkeit gelegt. Ein Teil des Trainings zielt auch auf die sicheren Übergänge in diverse Distanzen ab; das so genannte “Entering”. Um seine eigene Deckung beim Reingehen in bestimmte Distanzen nicht zu opfern, werden hier bestimmte Taktiken dafür trainiert.
Distanzgefühl und Anpassungsfähigkeit sind wichtige Bestandteile des Training im JKD.
Schlagwörter: Anpassungfähigkeit, Bruce Lee, Distanz, Jeet Kune Do, JKD
|
|
Recent Comments