Die Biomechanik des Fauststoß Teil3

Jeet Kune Do, Kampfkunst, Kampfsport No Comments »


Die Knochen

Die Kraft wird durch die Mittelhandknochen in zwei Reihen kleinerer Knochen übertragen, den so genannten Handwurzelknochen, von dort in die Elle und Speiche, und über den Oberarmknochen in den restlichen Körper. Der hier beschriebene Weg der Kraft ist bei beiden Schlagarten gleich, jedoch ist die Aufteilung der Kraft in den Knochen selbst völlig unterschiedlich. Bei verschiedenen Studien wurde die prozentuelle Aufteilung der Kraft in den Knochen gemessen. Bei solchen Studien übt man Druck auf die Hand aus, und misst dabei mit Elektroden den Kraftfluss im Arm. Das Auswerten einer Studie von 1984 ergab, dass beim vertikalen Schlag die Elle ca. 15 % der Kraft aufnimmt, und die Speiche die restlichen 85 % (Ekenstam, Palmer & Glisson). In einer Studie von 1987 verlief die Kraftverteilung bei ca. 18 % zu 82 %.

Dass die Kraft nicht zu gleichen Teilen durch die beiden Knochen übertragen wird, liegt daran, dass die Speiche am Handwurzelansatz einen größeren Umfang als die Elle aufweist. Daraus geschlossen ist die Speiche der stabilere Knochen und dafür da, um das Mehr an Kraft aufzunehmen.

Das ist allerdings beim gedrehten Schlag nicht der Fall. Hier nimmt die Elle ca. 37 % und die Speiche 63 % der Kraft auf. Das bedeutet fast die doppelte Belastung für die Elle. Diese Studien zeigen, dass der vertikale Schlag der anatomisch korrektere ist: Der massivere Knochen nimmt das Meiste der Kraft auf. Eine andere mögliche Erklärung für die Kraftaufteilung beim gedrehten Schlag erhält man, wenn man die Lage der Elle und Speiche zueinander genauer betrachtet. Bei abgewinkeltem gedrehten Arm ist die Elle relativ gesehen um 0,69 mm und bei ausgestrecktem, gedrehten Arm um 0,84 mm länger als im Normalzustand (Palmer, Glisson & Werner, 1982). Das ist insofern wichtig, da ja der Arm beim Auftreffen gestreckt und nicht abgewinkelt ist.

Die Länge der Elle hat großen Einfluss auf die Belastbarkeit des Handgelenkes. Das Erhöhen der Länge der Elle um nur 1 Millimeter bedeutet eine enorme Steigerung der möglichen Belastbarkeit dieses Knochen (Thrumble, Glisson, Seaber & Urbaniak, 1987). Die relative Länge der Elle ist auch maßgebend für die Aufteilung der Kraft zwischen Elle und Speiche während des gedrehten Schlages. Es finden aber noch mehr feine Veränderungen bei der Lage von Elle und Speiche statt: Liegen die beiden Knochen in neutraler Position annähernd parallel nebeneinander, so liegen sie beim Ausdrehen in einem Winkel von ca. 8 Grad zueinander (Palmer & Werner, 1987). Die relative Veränderung der Lage der Elle zur Speiche beim Drehen hat enorme Auswirkungen auf die Belastung, die der ganze Arm aufnehmen kann und somit auf die Stärke, mit welcher der Schlag ausgeführt werden kann (Epner, Bowers, & Guilford, 1982).

Die Muskulatur

Nicht die ganze Kraft wird über die Knochen übertragen. Ein Teil wird auch von der Muskulatur absorbiert. Vor allem das längsliegende Gewebe in an den beiden Handaußenkanten und ein dickes Gewebeband, das die beiden Stränge verbindet (triangular fibrocartilage complex), absorbieren Teile der Kraft und außerdem sorgen sie für die Stabilität des Handgelenks. Gerade das ist sehr wichtig. Wird nämlich das Handgelenk beim Treffen abgewinkelt, so ist keine optimale Kraftübertragung über die Knochen möglich, es besteht Verletzungsgefahr und der Schlag ist ineffektiv. Leider sind keine umfassenden Studien über die Auswirkungen in den Muskeln beim vertikalen und gedrehten Schlag vorhanden. Deshalb ist es auch nicht so einfach, die ideale Handgelenkshaltung zu finden, wie dies bei der Analyse der Knochen der Fall war.

Die wichtigsten Muskeln im Handgelenk sind die, welche für das Beugen und Strecken des Gelenks zuständig sind. Es passiert zwar manchmal, dass das Gelenk in Richtung Daumen oder des kleinen Fingers gebeugt ist, aber das ist noch lange nicht so gefährlich, wie wenn das Gelenk beim Auftreffen Richtung Handinnen- oder -außenfläche gebeugt ist. Das kann nämlich schwere Verletzungen verursachen. Die Muskeln selbst befinden sich eigentlich an der Unterseite im hinteren Teil des Unterarms, am Ellbogenansatz, und sind durch Sehnen mit der Hand verbunden. Bei neutraler Handhaltung liegen die Muskeln gerade in einer Linie, und bei ausgedrehter Hand sind auch die Muskeln verdreht (Anderson, 1982). Ein Muskel der gerade ist, kann sich leichter zusammenziehen, daher ist die Stabilität im Handgelenk beim vertikalen Schlag höher als beim gedrehten.

Wie mit den Muskeln zum Beugen der Hand nach unten verhält es sich mit denen zum Beugen nach oben. Sie befinden sich an der Oberseite des hinteren Teiles das Unterarms, und sind ebenfalls mit der Hand durch Sehnen verbunden. Auch sie halten das Gelenk beim vertikalen Schlag stabiler als beim gedrehten.

Dieser Artikel erschien im Journal of Asian Martial Arts Vol. 9 Number 1, 2000.


Quelle: www.wingchunkungfu.de

Schlagwörter: , , , , ,

Die Biomechanik des Fauststoßes Teil2

Allgemein, Jeet Kune Do, Kampfkunst, Kampfsport No Comments »


Kraftanalyse

Das Handgelenk

Am Beginn dieser Diskussion ist es wichtig sich wieder an Newtons drittes Gesetz der Bewegung zu erinnern: Jede Bewegung erzeugt eine gleich starke Bewegung in die entgegengesetzte Richtung. Anders gesagt, immer wenn du gegen ein Objekt mit einer Kraft schlägst, schlägt dieses Objekt mit der selben Kraft zurück. Diese Kraft wirkt im ersten und zweiten Mittelhandknochen genauso stark wie an den Knöcheln selbst.

Bei einem Schlag mit hoher Geschwindigkeit werden unglaubliche Kräfte von den Knöcheln auf das Ziel übertragen, und laut Newton auch vom Ziel auf die Knöcheln. Mit einer Hochgeschwindigkeitskamera wurden Schlaggeschwindigkeiten zwischen 5,7 und 9,8 Metern pro Sekunde gemessen (Feld, McNair & Wilk, 1979). In einer jüngeren Studie wurden von Smith und Hamill Geschwindigkeiten von 11,03 Metern pro Sekunde bei einem Schlag mit der bloßen Hand und 11,57 Meter pro Sekunde bei einem Schlag mit einem Boxhandschuh gemessen (Smith& Hamill, 1986). Diese Geschwindigkeiten erzeugen unglaubliche Kräfte. In der älteren Studie wurden Kräfte zwischen 2400 und 2800 Newton gemessen. In der jüngeren Studie wurde ein Rückschlagimpuls von 42,01 Newton Sekunden mit der bloßen Hand und 53,73 Newton Sekunden mit einem Boxhandschuh gemessen. Bei so hohen Geschwindigkeiten und Kräften kann jeder kleine Fehler bei der richtigen Schulter und Armposition dazu führen, dass die Kräfte nicht richtig durch die Knochen geleitet werden können.

Die Kraft wird von den Knöcheln zunächst auf die Knochen der Hand übertragen. Die erste Reihe dieser Knochen ist relativ lang und dünn; die sogenannten Mittelhandknochen. Der zweite und dritte Mittelhandknochen (des Zeigefingers und des Mittelfingers) ist gewöhnlich stabiler als der vierte und fünfte (des kleinen und des Ringfingers). Ein Treffen mit dem Knöchel des kleinen Fingers würde eine Fraktur dessen Mittelhandknochens bewirken, dies wird allgemein als „Boxer Fraktur“ bezeichnet.

Beim Aufprall der Faust übertragen die Knochen einen Teil der Belastung auf die umliegende Muskulatur und anderes umliegendes Gewebe, wie zum Beispiel Knorpel. Einiges dieser Aufprallkraft wird auch von der Haut und den Muskeln die direkt am Trefferpunkt liegen absorbiert (Feld, McNair & Wilk, 1997). Theoretisch wird auch ein Anteil der Kraft sofort in einen anderen Teil des Körpers als den Arm transferiert.

Dieser Artikel erschien im Journal of Asian Martial Arts Vol. 9 Number 1, 2000.

Quelle: www.WingChunKungFu.de

Schlagwörter: , , , , , ,
2009 Bruce Lees Kampfkunst Blog | Powered by WordPress | Wordpress Themes .