Wing Tsjun eine Kampfkunst und gleichzeitig eine Wissenschaft. Ein ausgeklügeltes System welches den eigenen Körper durch genau positionierte Arme und Beine schützt, indem jeder Angriff durch die perfekte Positionierung der Arme und Beine abgeleitet und nicht geblockt wird. Der Vorteil dieser Abwehr ist der geringe Krafteinsatz, der gleichzeitig zu einen geringen Energieverbrauch führt. Jedoch ist dies nicht ganz so einfach zu lernen wie ein gewöhnlicher Block, denn es muss erfühlt werden in welche Richtung der jeweilige Angriff abgeleitet werden sollte. Um dies zu üben ist im Wing Tsjun das Chi-Sao erfunden worden, es wird auch das Herz des Wing Tjun genannt, da es die Hauptfertigkeit im Wing Tsjun trainiert. Des Weiteren werden vorab sogenannte Formen einstudiert, die es ermöglichen sollen die jeweilige Position in Perfektion auszuführen, um ein hohes Maß zu gewährleisten nicht getroffen zu werden. Es gibt 6 Formen: Siu Nim Tau, Chum Kiu, Biu Jee, Holzpuppen-Form, Langstock-Form und Schmetterlingsmesser-Form. Wing Tsjun ist ein System, welches hervoragend für den Nahkampf geeignet ist, da es genau diesen trainiert und auf diesen vorbereitet.
Jeet Kune Do als Selbstverteidigung legt eine bestimmte Gewichtung auf den Präventivschlag in der Verteidigung. Jeet bedeutet übersetzt “abfangen”, “stoppen”, “unterbrechen”. D.h., dass ich mit bestimmten Mitteln versuche, dem Angriff meines Gegners zuvor zukommen, ihn nicht nur physisch, sondern auch psychologisch, seine Angriffsmotivation, abzufangen und zu stoppen.
Dazu muss man sich im JKD nicht nur andauernd der Distanz, in der man sich zum Gegner befindet, in Betrachtung ziehen, sondern muss spezielle Taktiken für das Abfangen entwickeln. Eine dafür ist, dass das Ziel, das dem JKD’ler am nächsten liegt, mit der längsten Waffe, also zum frühstmöglichen Zeitpunkt, angegriffen wird. Das ist es, worum es letztendlich beim Abfangen geht.
Im Falle der Tritte ist das der Sidekick ( Seitwärtstritt ) mit dem vorderen Bein mit dem Ziel des Knies/Schienbein des Gegners.
Beim Oberkörper (und einer geringeren Distanz) ist das der Fingerstich zu den Augen des Gegners.
Die benutzte Waffe sollte also im Zusammenspiel mit dem gewählten Ziel nicht nur den Angriff des Gegners abbrechen, sondern den eigene Angriff einleiten und den Gegner in die Defensive treiben. Dabei muss die Angriffsmotivation des Gegners gestört werden. Dies geschieht am besten, indem man ihm zum frühstmöglichen Zeitpunkt seines Angriffes, am besten während der Vorbereitung eines Angriffes, trifft. Der Sidekick zum Knie sollte dem Gegner dabei die Mobilität, der Fingerstich zu den Augen die Sicht nehmen. Ein Gegner, der sich nicht bewegen oder nicht sehen kann, kann leichter besiegt werden.
Die hierfür benutzte Basisannahme ist, dass derjenige, der in dieser Situation den ersten Wirkungstreffer setzt wahrscheinlich der Gewinner der Konfrontation ist. Eine einfache aber wirkungsvolle Regel.
Beim Betrachten von diversen Super8-Filmen über Kämpfe aus dem Boxen, Karate, Taekwondo, Wrestling und Dokus zu Streetfights erkannte Bruce Lee, dass sich alle Angriffe in 5 Kategorien einteilen ließen. Durch diese Einteilung lies sich später im Training der Angriff sowie die Verteidigung organisierter trainieren.
Diese 5 Kategorien sind:
1. SDA (Single Direct Attack)
Ein direkter Angriff besteht aus einer Bewegung, einer direkten Technik. Das Ziel ist es, die Trefferfläche auf dem direktestem Wege zu erreichen. Ein Beispiel wäre der gerade Fauststoß, auch einfach nur Gerade genannt. Obwohl es der simpelste der Angriffe ist, ist er am schwierigsten erfolgreich abzuschließen, da man hier verschiedenen Eigenschaften wie Timing, Geschwindigkeit, tiefes Eindringen in die Verteidigung des Gegners, Kraft usw. braucht. Der einfach direkte Angriff findet entweder auf der gegnerischen Angriffslinie oder der direkt entgegengesetzten Linie statt – er trifft den Gegner einfach in seiner Vorbereitung oder in einem Moment der Unachtsamkeit.
Wen man einen SDA ausführt, schlägt man tief in die Verteidigung des Gegners bevor dieser kontern kann, ohne den Angriff oder den Weg des Angriffs zu verstecken oder zu verschleiern. Der Angriff findet mit der längsten Waffe zum nächsten Ziel statt. (your longest weapon to the closest target).
Eine weitere Art des SDA ist der Single Angular Attack (SAA), ein Angriff aus einem bestimmten Winkel. Hierbei wird der eigene Körper so in eine Position zum Gegner gebracht, dass beim Gegner eine Lücke in der Deckung entsteht. Der Angriff trifft den Gegner daher aus einem Winkel und nicht frontal.
2. ABC (Attack By Combination)
ABC ist eine Serie von Angriffen, die schnell aufeinander, natürlich und “lebendig”, folgen.
Dabei werden mehr als eine Stelle am Gegner angegriffen. ABC besteht meistens aus Set-ups, die eine Verteidigungslinie angreifen, um die andere zu öffnen, die dann aber er eigentliche Angriffspunkt ist. Hierbei muss die Kombination aggressiv genug sein um den Gegner in die Defensive zu zwingen. Wichtig hierzu ist das Verständnis von Rhythmus, Geschwindigkeit und Kadenz.
3. HIA (Hand Immobilization Attack)
HIA sind alle Immobilisierungsangriffe. Hierbei wird versucht, die Extremitäten des Gegners festzulegen (Trapping) während man die Angriffslinie besetzt. HIA können einzeln oder in Kombinationen auftreten.
Dabei geschieht das Festlegen entweder zufällig oder intuitiv. Das Festlegen ist ebenfalls zeitlich limitiert und dient nur dem Zweck den Gegner zu treffen.
4. PIA (Progressive Indirect Attack)
PIA ist das benutzen einer Finte ohne eines Schlages, die eigentlich nicht treffen sondern die Deckung öffnen soll. Der eigentlich Schlag folgt daraufhin sofort und ohne Zurückziehen der ersten Finte. PIA wird meistens bei Gegnern angewendet, die eine sehr gute Deckungsarbeit haben und schnell reagieren. Wichtig ist dabei, dass bei PIA die Bewegungen offensiv nach vorne ausgeführt werden – ohne Unterbrechungen oder Zurückziehen. PIA besteht aus einer Bewegungssequenz.
5. ABD (Attack By Drawing)
ABD ist das Locken des gegnerischen Angriffs um diesen dann zu kontern. Hierbei muss nicht nur der spezielle Angriff auf einer speziellen “offenen” Linie provoziert werden, sondern ein erfolgreicher Konter muss schon geplant sein. Die wahre Absicht, das Kontern, muss hierbei gut versteckt sein. ABD ist die am schwersten umzusetzende Art des Angriffs, da hierbei die Reaktion des Gegners antizipiert werden muss.







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