Kampftaktik

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Das oberste Ziel einer jeder Selbstverteidigung ist es, sicher und möglichst unverletzt aus einer Auseinandersetzung rauszukommen. Die Hauptstrategie, mit der JKD dies verfolgt, ist das Abfangen des Gegners und des gegnerischen Angriffs zum frühestmöglichen Zeitpunkt. Um dies umzusetzen, bedient sich JKD diverse Taktiken:

- Benutze deinen Kopf und kämpfe damit. Versuch, schlauer und gewitzter als dein Gegner zu kämpfen. Sei ihm vorraus.


- Versuche deinen Körper und deine technischen Fähigkeiten auf dem best-möglichen Stand zu halten und so alle Bewegungen und das Kampfgeschehen zu kontrollieren.


- Bleib locker und relaxt.


- Wirke immer selbstbewusst nach außen. Wenn du müde oder verletzt bist, zeig es nicht deinem Gegner.


- Bleib in Bewegung. Sei dabei immer gut in Balance und ökonomisch.


- Bleib in deiner Struktur, immer gut gedeckt und in kompletter Ausgeglichenheit. Jeder Angriff setzt eine 100% Deckung vorraus.


- Wenn der Gegner in Reichweite kommt, schlag zu.


- Verwirre den Gegner, variiere immer deinen Angriff und deine Verteidigung, sei nicht vorrausberechenbar, versuche nie, das gleiche zweimal hintereinander.


- Mach genau das, was dein Gegner nicht von dir erwartet und nicht von dir möchte.


- Wenn dein Gegner eine vorbereitene Bewegung macht, beweg dich und schlag zu.


- Wann immer du zuschlägst, tue es mit totalem Einsatz. In der SV gibt es kein Ausprobieren, keine Halbherzigkeit. Wenn der Zeitpunkt kommt, sei hart und unnachgiebig in deinem Angriff.


- Sei konzentriert und behalte alles um dich herum in Beobachtung. Sei vorsichtig und lass dich nicht überraschen.


- Unterschätze niemals einen Gegner, zu keiner Zeit.

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Die Struktur des Jeet Kune Do

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Die Struktur oder das Fundament des JKDs manifestiert sich in der so genannten “Kampfhaltung” oder Bai Jong.
Jede Technik und jede Bewegung im JKD kommt aus dem Bai Jong. Eine Technik, die nicht aus dem Bai Jong kommt, passt nicht ins JKD. Der Bai Jong ist das Kettenglied, dass alle Bewegungen zusammen hält. Dabei sichert der Bai Jong im Angriff eine wasserdichte Verteidigung genauso wie er in der Verteidigung jederzeit die Möglichkeit zum Angriff offenlässt.
Der Bai Jong oder On-Guard-Stance ist dabei mobil, nicht starr. Im JKD wird die stärkere, mehr trainierte und besser koordinierte Seite des Kämpfers nach vorne genommen. ca. 80% aller Techniken mit der Hand oder dem Fuß werden im JKD mit den vorderen Waffen ausgeführt. Die Stellung muss dabei Stabilität, Mobilität, eine aggressive Verteidigung, den Konterangriff und das Abfangen ermöglichen. Dazu setzt der Stand eine leichte gebeugte Haltung vorraus, ein Federn in den Knien, das zusammen mit einer einigermaßen gleichmäßigen Verteilung des Körpergewichtes auf beiden Füßen sowie der Federkraft des hinteren Beines durch den erhobenen Hacken und die Ausrichtung nach vorne. Der hintere Arm ist dabei vor den Rippen, relaxt aber fertig für die defensiven Aufgaben, die Hand vor dem Gesicht. Der vordere Arm ist relaxt vor dem Körper, den Ellenbogen ca. eine Faustbreit entfernt von den Rippen, die Hand in leichter Bewegung und ungefähr auf Kinnhöhe. Durch die “relaxte Anspannung” werden Schläge und Tritte ohne vorhergehende telegrafierende Bewegungen möglich.
Wichtig ist hierbei, dass diese Stellung keine feste starre Haltung ist, sondern sich der Kämpfer selbst die ganze Zeit in unmerklichen leichten Bewegungen, die weder Ermüden noch bestimmte Angriffe voraus erahnen lassen, befindet.
Aus dieser Position heraus kommen im JKD alle Bewegungen und Aktionen.

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Die offensive Verteidigung

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Im JKD Training wird sehr viel Wert auf die eigene Offensive gelegt. Hintergrund dieses Gedankens im Gegensatz zum stärkeren Training der Defensive ist der Umstand, dass die Reaktion auf einen gegnerischen Angriff immer langsamer ist als die eigentliche Aktion. Die erfolgreiche Abwehr, insbesondere die Abwehr der gesamten Gefahrensituation, kann nicht über die bloße Verteidigung erfolgen, da der Gegner zwangsläufig mit seinen Attacken erfolgreich sein wird und den Verteidiger somit überrennt.

Ziel im JKD ist es vielmehr, die Gefahr beim ersten Anzeichen durch einen eigenen Angriff abzufangen, zu stoppen, zu unterbrechen und somit den physischen Angriff sowie die psychische Angriffsmotivation des Gegners zu brechen und in die eigene Offensive zu gehen. Der eigene Angriff wird dabei so lange ohne Unterbrechung fortgesetzt, bis die Situation beendet ist.

Timing, Distanzgefühl und ein technischer Fluss sind hierbei wichtige Eigenschaften im JKD.

Sollte eine Auseinandersetzung in einer weiten Distanz beginnen, so muss sich der Gegner dem JKD’ler nähern, um diesen anzugreifen. Dieser Annäherung wird im JKD mit dem Abfangen durch einen Stoppkick trainiert. Wichtig ist, dass entweder der eigene Angriff nach diesem Stoppkick sofort weitergeführt wird oder nach Möglichkeit die sichere Flucht ergriffen wird.
Zum Stoppkick gehört das Prinzip der “längsten Waffe gegen das nächste Ziel”. Um den Gegner abzufangen, der sich auf einen zu bewegt, wird der vordere Sidekick gegen dessen Knie, Patellasehne oder Schienbein benutzt.

Ist der Gegner schon in einer Distanz, in der er den JKD’ler ohne Schritt erreichen kann, wird versucht, nach dem ersten Anzeichen eines Angriffs diesen mit einem Stoppschlag oder einem Hookkick abzubrechen. Auch hier wird anschließend sofort der eigene Angriff eingesetzt, man wartet nicht erst und sucht nach einer Reaktion beim Gegner.

Sollte der gegnerische Angriff nicht vorher erkannt werden können, so muss gleichzeitig zur Abwehr des Angriffs (Parieren oder Ausweichen, nach Möglichkeit kein Zurückweichen) der eigene Gegenangriff gestartet werden. Diese Gleichzeitigkeit ist wichtig, um weiteren, folgenden Angriffen des Gegners zuvor zu kommen.

Unter Berücksichtigung dieser Punkte wird im JKD keine passive Verteidigung trainiert, sondern so früh wie möglich die eigene Offensive eingeleitet. Daher die offensive Verteidigung.

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Mix it up

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Eine besondere Schwierigkeit in der Theorie des JKD ist die Vorstellung des “Mischen verschiedener Kampfkünste“, die ja im JKD vorhanden sein soll. So gehen scheinbar einige Kampfkünstler hin und “nehmen” ein paar Techniken aus dem Muay Thai, ein paar Techniken aus dem Wing Chun und ein paar Techniken aus dem Jiu-Jutsu, vermengen das ganze irgendwie und glauben und/oder propagieren, sie würden nun JKD machen.
Dem ist aber nicht so! JKD ist keine Ansammlung von den “besten” Techniken aus Gung Fu, TKD, Muay Thai etc.pp. Ein Mixen dieser Stile würde aufgrund einer mangelnden Basis und Struktur auch gar keinen Sinn machen. Bruce Lee selber erklärte JKD durch die Herkunft aus dem Fechten, dem Boxen und Wing Chun. Heißt das, er nahm die Techniken dieser Systeme und mischte sie? Nein. Mit dem Mischen ist im JKD etwas ganz anderes gemeint. Bruce Lee und seine JKD Schüler setzten Techniken, Konzepte, Prinzipien und Strategien auf eine Struktur, die in allen Kampfdistanzen funktionierte. Sie “mischten” Tritte, Schläge, Trapping, Infight und Grappling in der langen, der mittlere, der nahen und der Grappling-Distanz.
Nach Bruce Lees Tod gaben Kampfkünstler wie Dan Inosanto und Larry Hartsell Seminare, bei denen diese Mischung, bzw. der Übergang und die Transition von Treten zu Grappling, von Schlagen zu Grappling und von Trapping/Clinching zu Grappling Themen waren.
Sie waren Pioniere des Mischens und des Übergangs der verschiedenen Kampfdistanzen. Dabei half ihnen die Struktur des JKDs, die in allen Distanzen gleich die Plattform für die Techniken ist.
Das Mischen im JKD bezieht sich meiner Meinung nach nicht auf das Mixen von unzusammenhängenden Techniken, sondern auf das Übergehen von der einen Kampfdistanz in die nächste, das Erkennen der Zusammenhänge, das Trainieren einer gültigen Struktur in allen Distanzen und dem Mischen eben dieser Distanzen.

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Bodenkampf

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Es gibt Kampfkünste, die erwecken den Eindruck, als ob alle Kämpfe auf dem Boden landen. Dies ist nach meinen persönlichen Erfahrungen nicht der Fall.
Insbesondere nicht in der Selbstverteidigung (MMA Events werden hier nicht betrachtet). Aber: viele Kämpfe gehen zu Boden! Nicht, weil man selber das unbedingt möchte, sondern weil es der Gegner oder der Kampfverlauf oder der Untergrund, auf dem man kämpft, es verlangen. Ein Gegner kann einen werfen oder überrennen, der Kampfverlauf im Clinch kann zum Straucheln beider Gegner führen und der Boden kann nass, vereist, rutschig oder mit Hindernissen belegt sein. Kämpfe gehen auf den Boden! Den Bodenkampf zu vernachlässigen wäre für jede Kampfkunst, die sich mit dem Thema Selbstverteidigung beschäftigt eine Todsünde.
Ein Kampfverlauf, bei dem ein Gegner den anderen wirft und dieser dann praktisch regungslos am Boden bleibt und der Kampf somit beendet ist, ist ebenfalls unrealistisch bis äusserst selten. Bodenkampf ist nicht so einfach.

Der Bodenkampf sollte nicht in der SV gesucht werden, aber wer fragt schon danach. Bodenkampf schränkt ein, behindert. Er behindert am sicher Wegkommen, er behindert gegen mehrere Gegner und er behindert noch mehr, wenn Waffen ins Spiel kommen. Er behindert die eigene Bewegung und die Bewegung des Gegners.

Das wichtigste am Bodenkampf ist die Kondition des Kämpfers. Durch die unzähligen Möglichkeiten des Kampfverlaufs am Boden und der weiteren Verschiebung der “Arbeit” aus dem aeroben hin zum noch mehr anaeroben Bereich gegenüber dem Standkampf ist diese Art der benötigten Kondition kampfentscheidend.

Bodenkampf erinnert vom sportlichen Aspekt her sehr an Wettkampfschwimmen, man benötigt viel und lange Kraft ohne dabei richtig Luft zu bekommen. Und es werden Muskeln benutzt und benötigt, von denen man vorher gar nicht wusste, dass man sie hat.

Richtiges Bodenkampftraining ermöglicht eine Art Sensitivität die dem Chi Sao Drill im Standkampf ähnlich ist. Nur das hierbei eine Art Ganzkörpersensitivität erlernt wird. Das Gefühl für die Gewichtsverteilung des Gegners, für Balanceverlagerung, für bestimmte Anspannungen kurz vor dem Schlagen sowie für die Bewegungen, die letztendlich zu einem Hebel oder Würger führen, müssen gespürt werden, um sie zu kontern.

Schlagen, Treten und der Einsatz von Knie, Ellenbogen und Kopfstößen am Boden ist sehr wichtig. Obwohl es einfach und logisch erscheint, sind viele überrascht, wie man seine Körpermechanik am Boden ändern muss im Vergleich zum Standkampf, um diese Waffen erfolgreich am Boden einzusetzen.
Das gleiche gilt für die Verteidigung gegen diese Techniken.

Das Training von tausenden von Hebeln, Würgern und deren Variationen ist der SV wohl eher unnötig. Man selber sollte wissen, wie man sicher seinen Gegner am Boden besiegt oder sich gegen seine Angriffe verteidigt. Befreiungen aus Positionen, das Verhindern der häufigsten und bekanntesten Hebel sowie die Schlagverteidigung haben hier Vorrang.

Der Bodenkampf eröffnet ein weites Feld in der SV und im Kampf. Wer sich damit nicht beschäftigt, hat einen fatalen Fehler begangen, wenn er in die Lage kommt. Und verteidigen tut man sich am besten gegen Dinge, die man auch kennt. Traumangriffe von ausgedachten “Ringern” und deren Abwehr sind Trainingsszenarien, die ein an ernsthafter SV interessierter Kampfkünstler nochmal realistisch überdenken sollte.

Viele Konzepte und Prinzipien aus dem Standkampf lassen sich auch am Boden, teilweise mit technischen Modifikationen, umsetzen. Nur lernen und trainieren muss man das vor Ort, so realistisch wie möglich. Viel Spaß beim nächsten “Rollen”.

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