Das Chi Sao im Wing Chun

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Yip Man und Bruce Lee

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Das Chi-Sao ist eine Methode, die Defizite der optischen Reaktionsmöglichkeiten zu umgehen und schnellere Methoden dafür einzusetzen.

Chi-Sao ist die “Seele” des Wing Chun’s. Viele denken, daß es im richtigem Kampf nicht zu jener Berührung kommen würde, die ein Arbeiten mit Chi-Sao ermöglicht. Aber es kommt immer im Kampf zu Berührungen. Diese Berührungen werden dann für Reaktionszwecke ausgenutzt. Es ist also nicht richtig, wenn gesagt wird, daß man in einem realen Kampf kein Chi-Sao einsetzen könne. Nur sieht das oftmals anders aus, als es sich in den Übungen darstellt.

Die Übungen im Chi-Sao Training, beispielsweise, das einarmige Chi-Sao Training (Dan Chi Sao), bei dem die Übenden in Grundstellung voreinander stehen und mit nur einem Arm ihre Übung machen, während der andere Arm zurückgezogen bleibt, ist mit Sicherheit keine Bewegung, die man jemals in einem Kampf so sehen würde. Ähnlich ist es mit anderen Chi-Sao Übungen. Es ist nicht Sinn dieser Übungen, einen Kampf zu simulieren, sondern “Gefühle” und “Reaktionen” zu trainieren.

In einer Kampf-Situation werden diese Reaktionen auf bestimmte Gefühle, die bei Berührungen durch Angriffstbewegungen des Gegners entstehen, dann entsprechend “automatisiert” umgesetzt.

Damit erreicht man eine gewisse Automation des Bewegungsablaufes, die weitestgehend ohne optische Reaktionsmechanismen funktioniert. Es gibt dazu eine Reihe von Vorteilen, die gegenüber rein optischen Reaktions-Mechanismen einmal zu schnelleren Reaktionen führen, aber auch zu eindeutigeren Entscheidungen und zu einer gewissen Sicherheit vor “Finten”.

Das Problem, das man mit diesem Thema oft hat besteht dann, wenn es so “absolut” betrachtet wird. Wenngleich das Chi-Sao ein wesentlicher Aspekt des Wing Chun’s ist, so darf man sich aber auch nicht ausschließlich darauf verlassen. Es gibt eine Reihe guter Gründe, auch alle anderen Sinneswahrnehmungen für den Kampf zuzulassen. Es gibt eine Fülle von Angriffsituationen, bei denen die erste Berührung ansonsten schon der Treffer im Ziel wäre. Erst in diesem Augenblick mit einem Chi-Sao beginnen zu wollen wäre eindeutig zu spät.

Um in den “Genuß” einer rechtzeitigen Berührung der gegnerischen Tentakeln zu kommen, gibt es im Wing Chun einige Maßnahmen, die das begünstigen. So werden die Arme in eine Position gebracht, die eine Berührung wahrscheinlich macht.

Sehr schnell ausgeführte Angeriffsbewegungen sind über rein optische Informationsauswertung nicht rechtzeitig abzuwehren. Jeder schnelle Fauststoß ist schneller im Ziel, als irgendeine Abwehrbewegung überhaupt erst begonnen hätte. Das gilt selbstverständlich in gleicher Weise für die Wing Chun Kämpfer. Auch diese sind dazu nicht in der Lage. Aus diesem Grund halten sie ihre Arme dort, wo eine Berührung möglich wird, bevor der Treffer den Körper an entscheidenden Stellen trifft.

Aber selbst wenn alle Positionen stimmen, sind sehr schnelle Angriffe schwer zu bekommen. Das Chi-Sao trainiert daher nicht nur die Reize an den Armen und Beinen, sondern auch die richtige Distanz und die richtige Körperbewegungen. Im Idealfall ist die Distanz zu Beginn so bemessen, daß der Gegner ohne einen, wenn auch nur kleinen Schritt, seinen Angriff nicht ins Ziel bringen könnte. Dies verschafft ein wenig mehr Zeit für die erste Reaktionen.

Das Chi-Sao darf also nicht nur als Mittel der “Reizversorgung” verstanden werden, sondern als “Gesamt-Konzept” einer Körperführung und Körper-Aktion. Die Bewegungen aus den Formen stellen dabei die Mittel dar, die im Chi-Sao eingesetzt werden. Damit sind alle Formen gemeint, also die drei waffenlosen, HP, DM, oder LSt.

So entsteht im Idealfall ein Körper-Bewegungskonzept, daß alle Prinzipien des Wing Chun’s beinhaltet und im Kern davon geprägt ist, daß der fremde Angreifer, keine Zielpunkte findet und der Wing-Chun-Akteur ständig in seinen Zielpunkten agiert.

Ohne Chi-Sao würde  das Wing Chun nur stümperhaft funktionieren. Es wäre starr, statisch, undynamisch und würde mit konzeptlos aneinandergereihten Einzelbewegungen nur sehr unzureichend seine Stärken aufzeigen können.

Quelle: www.wingchunkungfu.de

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