Bodenkampf

Jeet Kune Do, Kampfkunst, Kampfsport Add comments

Es gibt Kampfkünste, die erwecken den Eindruck, als ob alle Kämpfe auf dem Boden landen. Dies ist nach meinen persönlichen Erfahrungen nicht der Fall.
Insbesondere nicht in der Selbstverteidigung (MMA Events werden hier nicht betrachtet). Aber: viele Kämpfe gehen zu Boden! Nicht, weil man selber das unbedingt möchte, sondern weil es der Gegner oder der Kampfverlauf oder der Untergrund, auf dem man kämpft, es verlangen. Ein Gegner kann einen werfen oder überrennen, der Kampfverlauf im Clinch kann zum Straucheln beider Gegner führen und der Boden kann nass, vereist, rutschig oder mit Hindernissen belegt sein. Kämpfe gehen auf den Boden! Den Bodenkampf zu vernachlässigen wäre für jede Kampfkunst, die sich mit dem Thema Selbstverteidigung beschäftigt eine Todsünde.
Ein Kampfverlauf, bei dem ein Gegner den anderen wirft und dieser dann praktisch regungslos am Boden bleibt und der Kampf somit beendet ist, ist ebenfalls unrealistisch bis äusserst selten. Bodenkampf ist nicht so einfach.

Der Bodenkampf sollte nicht in der SV gesucht werden, aber wer fragt schon danach. Bodenkampf schränkt ein, behindert. Er behindert am sicher Wegkommen, er behindert gegen mehrere Gegner und er behindert noch mehr, wenn Waffen ins Spiel kommen. Er behindert die eigene Bewegung und die Bewegung des Gegners.

Das wichtigste am Bodenkampf ist die Kondition des Kämpfers. Durch die unzähligen Möglichkeiten des Kampfverlaufs am Boden und der weiteren Verschiebung der “Arbeit” aus dem aeroben hin zum noch mehr anaeroben Bereich gegenüber dem Standkampf ist diese Art der benötigten Kondition kampfentscheidend.

Bodenkampf erinnert vom sportlichen Aspekt her sehr an Wettkampfschwimmen, man benötigt viel und lange Kraft ohne dabei richtig Luft zu bekommen. Und es werden Muskeln benutzt und benötigt, von denen man vorher gar nicht wusste, dass man sie hat.

Richtiges Bodenkampftraining ermöglicht eine Art Sensitivität die dem Chi Sao Drill im Standkampf ähnlich ist. Nur das hierbei eine Art Ganzkörpersensitivität erlernt wird. Das Gefühl für die Gewichtsverteilung des Gegners, für Balanceverlagerung, für bestimmte Anspannungen kurz vor dem Schlagen sowie für die Bewegungen, die letztendlich zu einem Hebel oder Würger führen, müssen gespürt werden, um sie zu kontern.

Schlagen, Treten und der Einsatz von Knie, Ellenbogen und Kopfstößen am Boden ist sehr wichtig. Obwohl es einfach und logisch erscheint, sind viele überrascht, wie man seine Körpermechanik am Boden ändern muss im Vergleich zum Standkampf, um diese Waffen erfolgreich am Boden einzusetzen.
Das gleiche gilt für die Verteidigung gegen diese Techniken.

Das Training von tausenden von Hebeln, Würgern und deren Variationen ist der SV wohl eher unnötig. Man selber sollte wissen, wie man sicher seinen Gegner am Boden besiegt oder sich gegen seine Angriffe verteidigt. Befreiungen aus Positionen, das Verhindern der häufigsten und bekanntesten Hebel sowie die Schlagverteidigung haben hier Vorrang.

Der Bodenkampf eröffnet ein weites Feld in der SV und im Kampf. Wer sich damit nicht beschäftigt, hat einen fatalen Fehler begangen, wenn er in die Lage kommt. Und verteidigen tut man sich am besten gegen Dinge, die man auch kennt. Traumangriffe von ausgedachten “Ringern” und deren Abwehr sind Trainingsszenarien, die ein an ernsthafter SV interessierter Kampfkünstler nochmal realistisch überdenken sollte.

Viele Konzepte und Prinzipien aus dem Standkampf lassen sich auch am Boden, teilweise mit technischen Modifikationen, umsetzen. Nur lernen und trainieren muss man das vor Ort, so realistisch wie möglich. Viel Spaß beim nächsten “Rollen”.

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